tim glaser

Downfall (Redux 2016)

“Further Down the Spiral”

Deine Eltern geben dir die Schuld an dem Tod deines jüngeren Bruders, in deiner Beziehung läuft es überhaupt nicht und dann verschwindet plötzlich deine Ehefrau, nachdem sie einen Nervenzusammenbruch hatte. Fuck you Life – oder: What … the fuck … is this?

Downfall

Bei Downfall handelt es sich um ein Remake (oder Redux) des gleichnamigen Indie Games aus dem Jahre 2009. Es wurde am 14. Februar 2016 von Harvester Games veröffentlicht und ist auf Steam und Gog erhältlich. Bei der Redux-Version handelt es sich um ein vollständig neu animiertes und programmiertes Spiel, da der Sourcecode der 2009er Version nicht von Steam angenommen wurde. Solltet ihr also Interesse am Spiel haben und (noch) nicht dafür bezahlen wollen, so könnt ihr euch die ältere Version hier kostenlos herunterladen.

Nach einem kurzen Intro, in dem die Mechaniken erklärt und eine Vorgeschichte erzählt wird, spielt Downfall beinah ausschließlich in und um ein desolates Hotel mit dem Namen Quiet Haven – ja, dieser Name ist ironisch, außer man meint damit vielleicht die Stille der Toten, aber vor allem die Toten sind alles andere als still. Joe Davis ist auf der Suche nach seiner Frau Ivy, die unter mysteriösen Umständen verschwand und trifft dabei auf schauerliche Dinge und absurde Gestalten und natürlich einen Axt-Killer. Zwischenzeitlich dürfen wir dann auch in die Rolle der zweiten Protagonistin schlüpfen: Agnes. Ihre trockene, beinahe zynische Art machte sie zu meiner persönlichen Lieblingsfigur des Spieles. Währenddessen driften wir langsam immer tiefer in eine Welt voller Spiegel und hinter sie (Alice lässt grüßen).

„Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land?“
„Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Mechanisch bewegt sich das Ganze irgendwo bei Point and Click Adventure, nur ohne Point und mit wenig Click. Die Rätsel fallen nur selten schwer aus, aber das ist auch nicht hauptsächlich, was das Spiel bestimmt. Wichtiger sind die Entscheidungen und Optionen, die zu treffen sind. Im Vordergrund stehen die grotesken und absurden Szenarien, Räume und Personen. Erinnerungen an Klassiker wie I Have No Mouth, and I Must Scream werden dabei wachgerufen und ein wenig Daedalic Entertainment (Edna bricht aus) habe ich auch vernommen. Vom Plot her könnte man darüber hinaus Parallelen zu Max Payne ziehen.

Aber genug der Vergleiche, denn die muss man für Downfall gar nicht ziehen – das Spiel steht vielmehr sehr wohl auf eigenen Beinen und zieht (nach dem für mich ehee langweiligen Vorspiel) schnell in den Bann. Die Atmosphäre ist großartig, die fast ausschließlich gehaltene schwarz-weiß Gestaltung mit vereinzelten (oder massiven) roten Farbtupfern passt dazu perfekt und alle Figuren sind wunderbar wundersam. Wenn man aus einer Traumsequenz heraus eine 10 Pfund Note und Katzenuhr mit sich nehmen kann, nur um dann festzustellen, dass der Zigarettenautomat erst bei der zweiten Banknote funktioniert, damit man dann endlich die nötige Zigarette hat um den Jugendschwarm in ein Badezimmer zu locken, wo er – vorher Gas anmachen – explodiert: das bringt durchaus eine gewisse hämische Freude mit sich.

Doctor Z – ein Mann, ein Plan, eine Leiche, ein Gehirn – was kann da schief gehen?
Doctor Z – ein Mann, ein Plan, eine Leiche, ein Gehirn – was kann da schief gehen?

Frei von Klischees ist Downfall dabei nicht und will es auch an vielen Stellen gar nicht sein – verrückte Wissenschaftler und Axt-Mörder sind jedoch dabei nicht einfach nur wild hineingeworfene Stereotypen, sondern passen perfekt in das fantastische Setting. Glücklicherweise legt Downfall dabei den Fokus nicht auf Shock durch Jump Scares oder vergleichbaren Effekte, sondern konzentriert sich darauf eine unheimliche, gruselige Atmosphäre zu schaffen. Das dies streckenweise ausgezeichnet gelingt liegt vor allem an der sphärischen Musik und der Soundkulisse, hinzu kommen die vielen Kunstwerke, die als Gemälde, das Spiel optisch führen. Zusammengenommen wird daraus ein äußerst blutiger Cocktail (Achtung: besser nicht trinken!) und erzeugt das mulmige Gefüh, dass etwas hier ganz und gar nicht stimmt …

use penis with car – es funktioniert!
use penis with car – es funktioniert!

Zu dieser dichten Stimmung kommt eine große Menge Humor hinzu (Stichwort: Penis Statue) und viele kleine und größere Anspielungen – beispielsweise an The Shining oder Frankenstein. Die beiden Protagonist_innen – Joe und Agnes – verhalten sich dabei eben nicht wie kopflose Figuren in klassischen Horrorfilmen oder -spielen, sondern nehmen ihre absurde Lage so ernst wie möglich ohne nicht den absurden Witz der Situation misszuverstehen. Dieser Umstand lässt das Ganze nachvollziehbarer erscheinen, als es eigentlich ist und hilft einer Balance zu finden zwischen dem Ernst der Lage und dem Absurden. Verglichen mit vielen anderen Spielen in diesem Genre ist das sehr angenehm. Gefallen hat mir darüber hinaus, dass im Zentrum der Geschichte ein durchaus ernstes Thema steht, dass zwar eigentümlich verpackt wird, aber dabei weder nur Effekt ist, noch unglaubwürdig herübergebracht wird. Daran können sich andere Spiele durchaus eine Scheibe abschneiden. Die Sprechrollen sind darüber hinaus größtenteils gut gecastet worden, vor allem hervorheben möchte ich hier David Firth – den Schöpfer von Salad Fingers – als Doctor Z, was vermutlich daran liegt, dass seine Stimme allein mich schon an Albträume bereitet.

Es gibt drei mögliche Szenarien, wie das Spiel enden kann. Dabei werden am Ende Schädel gezählt, die für im Spiel getroffene Entscheidungen (Dialogoptionen) stehen – leider wirkt dies etwas arbiträr und nur mit maximaler und minimaler Anzahl lassen zwei der drei Enden freischalten. Von der Idee her gut, aber nicht wirklich hilfreich umgesetzt. Es gibt eine Option, die einem dabei helfen kann, aber auch damit die Atmosphäre verändert. Also muss ich wohl zurück ins Hotel und weiter suchen, dieses mal werde ich alle drei Zettel finden …

Agnes stellt die wichtigen Fragen des Lebens.
Agnes stellt die wichtigen Fragen des Lebens.

 

/////   Downfall – Gesamtwertung: 7 / 10   /////

+

  • Musik / Geräusche / Stimmung
  • absurder & grotesker Humor
  • glaubwürdige Charaktere
  • ernstes Thema ohne zu viel Klischee

  • etwas stockende Animationen
  • Schwierigkeitsgrad variiert enorm
  • Auswahlmöglichkeiten irritieren teilweise