tim glaser

Mash-Up – Rezeption und Produktion medialer Aneignung

(2013). Mash-up. Rezeption und Produktion medialer Aneignung. Vortrag an der Universität Konstanz, Sektion 0.

Wir schreiben das Jahr 2013 — die digitalen Medien sind scheinbar überall, aber leben wir nun der Mash-up culture (Sonvilla-Weiss 2010), Online Remix Culture (Angeloro 2006; Edwards/Tyron 2009), post digital remix culture (Harley 2009), Remix-Kultur (Stalder 2009), Sampling Culture (Navas 2009), Read/Write culture (Lessig 2008), Referenzkultur (Gehlen 2011), User-generated Culture (Frank 2010), configurable culture (Sinnreich 2010), Bastard Culture, bzw. Participatory Culture (Schäfer 2011) oder möglicherweise bereits in den unendlichen Weiten des Cut-up-Kosmos (Fahrer 2009)?

Bevor wir all zu eifrig vom Neuen sprechen: Formen medialer Aneignungen — im Sinne von Kopie, Zitat, Entlehnung, Variante, Version, Remix — haben eine lange Tradition. Bereits Anfang des 20sten Jahrhunderts — man denke hier an Ready-mades und die Collagen der Dadaisten –, und insbesondere ab den 1970er Jahren existieren verschiedene Formen der medialen Aneignung fremder Werken. Aber erst die geeignete Software (um 1990), das Aufkommen von Filesharing (ab 1999) und die entsprechenden Plattformen und Communities (ab 2001) führten dazu, dass sich Anfang des 21sten Jahrhunderts diese Praxis in ihren verschiedenen Ausformulierungen etabliert.

Eine der vielleicht wichtigsten Erkenntnisse zu diesem Thema wurde von Kirby Ferguson in seiner vierteiligen Dokumentation knapp auf den Punkt gebracht: Everything is a Remix! Dabei wird die Aneignung vom Rezipienten als Solche bemerkt, was — so Rebbelmund — „einem heilsamen Schock‘ gleicht, insofern [als] das ‚Wiedererkannte‘ […] komplett in Frage gestellt wird.“ Was zum Vorschein kommt, ist, dass Information, Wissen, kulturelle Artefakte und Technik immer schon auf vorherigen Versionen beruhen. Durch die digitale Vernetzung werden diese Relationen direkt zugänglich gemacht und und damit einsehbar, reproduzierbar und beeinflussbar. „Remixing ändert […] zunächst wenig, außer dass es diese meist impliziten Vorgänge explizit macht.“ (Stalder) Was sich durch die Digitalisierung zeigt, ist die Prozesshaftigkeit im Umgang mit Medien, in welcher sich Rezeption und Produktion wechselseitig bedingen.
Dieses Phänomen soll Anhand der Ästhetik von digitalen Mash-up Videos nachvollzogen werden, so weit es möglich ist und im Anschluss daran diskutiert werden, ob und inwiefern diese digitalen Praxen auf unsere Kultur — auf Begriffe wie Erinnerung, Gedächtnis und Speicher — Einfluss haben können.

Original Video Datei:

http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/sektion0/mash-up-rezeption-und-produktion-medialer-aneignung/